Kritik unseres Konzertes am 20. 2. in der Braunschweiger Zeitung

Viel vorgenommen hatte sich das Wolfenbütteler Kammer-Orchester unter der Stabführung von Rainer Hertrampf mit seinem Winterkonzert in der Trinitatiskirche: Ein Querschnitt durch die Musik des 18. Jahrhunderts führte die Unterschiede zwischen italienischen und deutschen Meistern vor und deutete mit zwei frühen Sinfonien auf die Entwicklungen hin, die dann das frühe 19. Jahrhundert bestimmen sollten.

Die g-moll Sinfonie Nr.39 von Joseph Haydn, „neumodisch“ viersätzig, stellt das Thema des Kopfsatzes in einem raffinierten Wechselspiel zwischen Bläsern und Streichern dar, schließt ein anmutiges, spielerisches Menuett an, um im abschließenden Finale majestätisch zu leuchten. Am Cembalo von Michael Vogelsänger unterstützt, beeindruckten die in allen Stimmen ausgewogenen Streicher. Als sinfonisches Gegenstück wirkte Mozarts A-Dur Sinfonie; durchsichtig artikulierten die Streichgruppen die Grundmotive, lebhaft und tänzerisch in den Mittelsätzen und „con spirito“ Schlußsatz. Für die kontrastierende Bläserbesetzung waten junge Gäste gewonnen worden; mit warmem Klang begleiteten die Oboen, während die Hörner zeitweise mit Intonationsschwierigkeiten zu kämpfen hatten.

Eingerahmt von den beiden Sinfonien präsentierten sich zwei italienische Stücke mit großen solistischen Partien: Im Konzert für Violoncello und Orchester B-Dur von Boccherini brillierte die Cellistin Sabine Krams, dem Wolfenbütteler Kammerorchester und somit auch dem Konzertpublikum seit Jahren verbunden. Bei absoluter Dominanz des Soloinstruments legt der Komponist jedoch großen Wert auf ebenso unauffällige wie zuverlässige Begleitung. Sowohl in den beschwingten, lebhaften Ecksätzen wie in dem traumhaft schönen Andante des Mittelsatzes verband sich der warme, satte Ton des Cellos mit der Streicherbegleitung zu vollendeter Harmonie. Es gab stürmischen Beifall für die sympathische Künstlerin.

Das Konzert „Passione amoroso“ für Violoncello und Kontrabaß G-Dur des Italieners Bottesini spielten Sabine Krams und Siegfried Dietrich mit angemessenem italienischen Feuer. Eingleitet durch einen führt das temperamentvolle Stück auf romantische Höhen ebenso wie in zarte Duos und lange Solo - Passagen, die den Künstlern Gelegenheit geben, die schönen Eigenarten ihres Instrumentes voll auszukosten. Auch hier begleitete das Orchester behutsam und zurückhaltend.

Der herzliche Schlußbeifall galt nicht den Künstlern und dem Orchester, sondern auch dem Dirigenten und Leiter Hertrampf für die Zusammenstellung eines ungewöhnlichen Programms

Lore Schönberg