Konzert am Sonntag, den 14. Februar 2003 um 17 Uhr
in der St. Trinitatis-Kirche Wolfenbüttel

Johann Friedrich Fasch (1688 – 1759)
Sonate d-moll für Streicher
Largo - Allegro - Largo - Allegro

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Konzert für Cembalo und Streicher d-moll, BWV 1052
Allegro - Adagio - Allegro

Felix Mendelssohn Bartoldy (1809 – 1847)
Streichersinfonie Nr. 8, D-dur
Adagio&Allegro - Menuetto - Allegro molto


Solist: Michael Vogelsänger, Cembalo

Dirigent: Rainer Hertrampf

Das Programm dieses Konzertes ist dem deutschen musikalischen Barock und seinem Nachklang im 19. Jahrhundert gewidmet. Dem kontrapunktisch reichhaltigen Werk eines Bach-Zeitgenossen folgt ein zentrales Bach-Werk; den Schluß bildet das hundert Jahre später unter seinem Einfluß komponierte Jugendwerk Mendelssohns.

Fasch, bei Weimar geboren, in Zerbst als Hofkomponist hochgeehrt gestorben, ist der typische thüringisch-sächsische Kirchenmusiker/Kapellmeister der Bachzeit. Nach Knabensopran-Jahren bei den Thomanern leitete er als Rechts- und Theologiestudent nach Telemann und vor Bach ein Collegium musicum, das im Lehmannschen Caféhause zu Leipzig aufspielte. Für eine solche Soiree könnte unsere „Sonate“ (will sagen: Instrumentalstück im Gegensatz zur „Kantate“, dem Singstück) geschrieben worden sein: lebendige Gebrauchsmusik, mit kontrapunktischem Geschick und viel Klangsinn gearbeitet.

Bachs berühmtestes Cembalokonzert hat eine bemerkenswerte Vorgeschichte: Am Anfang stand ein (verlorengegangenes, inzwischen rekonstruiertes) Violinkonzert nach Vivaldis Vorbild, wohl in Weimar komponiert. – Als der Thomaskantor in den späten 1720er Jahren viel Kirchenmusik liefern mußte, wurden alle drei Sätze des Violinkonzertes in Kantaten wiederverwendet. Dabei eignete sich die getragene Stimmung des Adagios gut für den zu vertonenden Chortext „Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen“ (Kantate 146). Ein neuer Chorsatz sowie drei Oboenstimmen wurden in den Konzertsatz hineinkomponiert. Der erste Konzertsatz wurde zur Ouvertüre der Kantate; die Orgel spielte die Violinstimme. - Als Bach zehn Jahre später für sein eigenes Collegium musicum Solokonzerte brauchte, holte er das frühe Violinkonzert ein zweites Mal hervor und richtete es für sich selbst als den Cembalosolisten ein.

Mendelssohns auf solide Handwerklichkeit bedachter Lehrer Karl Friedrich Zelter (übrigens ein Enkelschüler Faschs) schulte seinen Teenager-Schüler an Bach, Händel, Mozart und Haydn. Dabei spielten Kontrapunktstudien eine große Rolle, wie man besonders an den Fugenelementen der beiden Ecksätze unserer Sinfonie bemerkt. Mendelssohn liebte und spielte die Bratsche: Eine besondere Delikatesse sind im langsamen Satz der 8. Streichersinfonie die sonor geführten, dreigeteilten Bratschen. Da die hohen Streicher in diesem Satz schweigen, wird unsere Violengruppe hier durch Auch-Bratscher aus der Geigengruppe verstärkt. Mendelssohns Vater, der Berliner Bankier, holte Musiker des Opernorchesters zu kleinen sonntäglichen Privatkonzerten ins Haus, um Felix die Gelegenheit zu geben, beim Hören der eigenen Kompositionen zu lernen. Mendelssohn wollte die Streichersinfonien später als „Jugensünden“ verbrennen. – Wie gut, daß er es nicht getan hat.

(Anmerkungen: Berndt Strobach)


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