Konzert am Sonntag, den 15. Februar 2004 um 17 Uhr
in der St. Trinitatis-Kirche Wolfenbüttel

Giovanni Battista Pergolesi (1710 - 1736)
Flötenkonzert G-Dur

Leopold Antonín Kozeluh (1747-1818)
Sinfonie Nr. 3 g-moll,
Allegro - Adagio - Presto

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Sinfonie Nr. 25 g-moll, KV 183
Allegro con brio - Andante - Minuetto - Allegro


Solist: Hans-Martin Zill, Flöte

Dirigent: Rainer Hertrampf

Mozarts "kleine" g-moll-Sinfonie von 1773 rechnet man zum musikalischen "Sturm und Drang", einer Entwicklung, die von Haydn kurz zuvor eingeleitet worden war und die sich dadurch auszeichnete, daß die bisher eher der Unterhaltung dienende Sinfonie (oft auch divertimento = Zerstreuung) emotionaler wird und eher "Gemütsbewegung" anstrebt. Schon die Tonart deutet auf ernste Aussage; Mozart hat sie sinfonisch nur noch einmal, in der "großen g-moll" (KV 550), seiner vorletzten und tiefsten Sinfonie verwendet. Am Anfang des ersten Satzes läßt sich ablesen, wie dieser neue Ernst zustandekommt: Eine im Grunde konventionelle Abfolge von Akkorden, eine Kadenz, wird durch massive Oktavverdoppelungen und harte Synkopierungen zum Träger von dramatischer Unruhe; eine der Kadenz angefügte Sechzehntelfigur kehrt bohrend den ganzen Satz hindurch wieder. Klangliches Gewicht gewinnt die - übrigens jetzt vier- statt dreisätzige - Sinfonie durch die Verdoppelung der Hörnerzahl auf vier.

Leopold Kozeluh entstammt einer weitverzweigten böhmischen Musikerfamilie; sein Geburtsort Welwarn liegt knapp 30 Kilometer von Prag entfernt, wo Kozeluh zunächst Jura studierte. Die musikalische Begabung war aber doch die stärkere, Kozeluh begann für die Prager Theater Ballettmusiken zu komponieren und war so erfolgreich, daß er als Vierzigjähriger den Sprung nach Wien wagte.

Er war dort als Komponist, Klaviervirtuose und Pädagoge so angesehen, daß er von Kaiser Franz I.zum Hofkomponisten und Kammerkapellmeister ernannt wurde. In dieser Funktion verfaßte er zahlreiche Sinfonien, die bisher nur zum kleinen Teil gedruckt erschienen sind. Im Alter wurde er - ähnlich Haydn und Beethoven - durch die Bearbeitung schottischer, irischer und walisischer Volkslieder auch international bekannt Seine heute von uns gespielte Sinfonie ist etwa zehn Jahre nach Mozarts "kleiner" g-moll in derselben Tonart geschrieben und sicher im "schmerzlichen Pathos" der Ecksätze von ihm und von Haydn beeinflußt. Kozeluhs melodische Einfälle reichen sicherlich nicht an die der Vorbilder heran; aber die spannungstiftende Kontrastierung von Dur und Moll sowie die bei aller Durchsichtigkeit geschickte thematische Arbeit ( häufige Imitationen in den Bässen !)zeigt, wie hoch das Niveau auch der kleineren Meister der Wiener Klassik gewesen ist.

Pergolesi stammt aus bescheidenen halbländlichen Verhältnissen in Mittelitalien. In seinem Geburtsort Jesi (bei Ancona) bekam der begabte Junge Unterricht in den "musikalischen Elementen" und auf der Geige. Durch die Protektion eines dortigen Adligen gelangte er -trotz schwacher Gesundheit - schon als Zwölfjähriger nach Neapel, dessen geistliche Konservatorien (zugleich Waisenhäuser und Musikschulen) als vorbildlich in ganz Europa galten (auch Joh. Adolf Hasse und Händel gingen damals zu Studienzwecken nach Neapel). Er wirkte dort als Geiger und Sänger, komponierte mit 21 Jahren erste geistliche und weltliche Bühnenwerke. Mit 24 wurde er stellvertetender Kapellmeister des teatro San Bartolomeo, für das er 1734 die erste von mehreren komischen Opern komponierte, die heute noch gespielte serva padrona ("Die Magd als Herrin"). Nach einem Zwischenspiel in Rom ging er in das musikalisch bedeutendere Neapel zurück, wo die im ganzen 18.Jahrhundert berühmte seria-Oper Olimpiade und das noch heute gesungene Stabat mater entstanden. Pergolesi starb mit 26 Jahren an der Schwindsucht. Die neapolitanische Musik des Spätbarock wird generell wegen ihrer "singenden Melodik" und der "eleganten, ungemein ohrenfälligen Deklamation" gerühmt, die auch dem heute gespielten Flötenkonzert Pergolesis eigen ist.

(Anmerkungen: Berndt Strobach)


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