Konzert am Sonntag, den 20. Februar 2005 um 17 Uhr
in der St. Trinitatis-Kirche Wolfenbüttel



Joseph Haydn (1732 - 1809)
Sinfonie Nr.39, g-moll (Hob.I,39)
Allegro assai - Andante - Menuet - Finale: Allegro molto

Luigi Boccherini (1743 - 1805)
Konzert für Violoncello und Orchester B-Dur (Gérard 482)
Allegro vivo - Andante - Allegretto

-- Pause --

Giovanni Bottesini (1821 - 1889)
Passioni amorose - Konzert für Violoncello und Kontrabaß G-Dur
Allegro vivo - Andante - Allegretto

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)
Sinfonie Nr. 29, A-Dur (KV 201)
Allegro moderato - Andante - Minuetto - Allegro con spirito

Solisten: Siegfried Dietrich, Kontrabass und Sabine Krams, Violoncello.

Dirigent: Rainer Hertrampf

Die Sinfonie Nr. 39 entstand um 1767, als der Eisenstädter Kapellmeister Haydn in mehrfacher Hinsicht neue Wege beschritt. Unterschied sich die bisherige dreisätzige Sinfonie kaum von einer Opernouvertüre, so gewinnt sie jetzt durch einen vierten Satz (das Menuett) an Ausdehnung und durch die "ernste" Tonart g-moll an emotionalem Gewicht. Die beiden Ecksätze bringen durch ihre unruhig-bewegten Themen innere Dramatik in eine Musikform, die bis dahin eher unterhalten, ja zerstreuen wollte. Zusätzliche Spannung gewinnt der erste Satz durch bewußt gesetzte Pausen zwischen den beiden Teilen des Themas, ein Kunstmittel, das der spätere Haydn zur Meisterschaft entwickelte. Das Andante und das Menuett wertet der Haydn-Forscher Robbins Landon als "Rückfall in einen früheren Stil". Eine solche Meinung gilt natürlich nur dann, wenn man diese Schaffensperiode mit dem Schlagwort "Sturm und Drang" als einen revolutionären Umbruch versteht. In Wirklichkeit handelt es sich wohl eher um einen Prozeß des Ausprobierens, in dem natürlicherweise Altes und Neues nebeneinander stehen.

Boccherini, ein Norditaliener, bereiste als Cellovirtuose ganz Europa, von Paris und Madrid bis Berlin. Seine Kompositionen für das eigene Instrument gehen über das bei Haydn und C.Ph.E. Bach Verlangte technisch weit hinaus: Zum ersten Mal werden bei ihm die höheren und höchsten Regionen der A-Saite ausgenutzt; Flageolett- und Doppelgrifftechnik sowie schnelles Passagenwerk erreichen bei ihm eine Virtuosität, wie sie bis dahin nur auf der Geige ausführbar erschien. Von seinen unzähligen Cellowerken hat sich eigentlich nur unser B-Dur-Konzert (komponiert 1771) im Repertoire gehalten: wegen seiner originellen Melodieerfindung und seinem verspielt-eleganten Vortragsgestus.

Das Doppelkonzert für Cello und Kontrabaß mit dem schwungvollen Namen "Passioni amorose"("Liebesleidenschaften") stammt von dem berühmtesten Kontrabassisten des 19. Jahrhunderts, Giovanni Bottesini (ebenfalls Sproß einer norditalienischen Musikerfamilie, durch Zufall auf sein Instrument gestoßen, auf ihm schnell berühmt geworden, auch Dirigent - u.a. der "Aida"-Uraufführung - , in Parma hochgeehrt gestorben und neben Paganini beigesetzt). Das Orchester eröffnet mit einem pathetischen Tusch, und dann läßt Bottesini den Bassisten zeigen, was sich mit dem kurzen Bogen seines Instruments für weitausschwingende Melodien gestalten lassen, in die er sich mit seiner Cello-Gefährtin erhebt. Aber auch zu prägnanter Artikulation und witziger Akzentuierung ist der Bottesinische Baß fähig, und er überrascht, die Cello-Kantilene begleitend, mit virtuos gebrochenen Akkorden in hohen Flageolett-Tönen. Das Konzert endet, wie begonnen, in der Terzen- und Sextenseligkeit der beiden sonoren Soloinstrumente

Als der 18-jährige Mozart die Sinfonie KV 201 schuf, hatte er schon an die dreißig Sinfonien im modischen Plauderton geschrieben und danach - unter dem Einfluß Haydns - eine viersätzige, plötzlich sehr ernste und anspruchsvolle (KV 183, g-moll, bekannt geworden als dämonische Titelmusik des "Amadeus"-Films). - Die Viersätzigkeit und den hohen Anspruch setzt er mit unserer heutigen A-Dur-Sinfonie fort, allerdings in einer heiteren Stimmung. Die Dramatik des Anfangssatzes entsteht aus dem ganz einfachen Grundmotiv einer fallenden Oktave, auf die, zunächst ganz im piano , ein Achtelmotiv in aufsteigender Sequenz folgt, bis nach acht Takten das Grundmotiv in der höheren Oktave und im forte wieder erreicht ist, während das Achtelmotiv sofort kontrapunktisch enggeführt wird. - Das zweite, gesangliche Thema scheint die so heraufbeschworene Erregung beschwichtigen zu wollen, wird aber nach kurzer Entfaltung in den Strudel prasselnder Sechzehntelrepetitionen gerissen, in die das Anfangsmotiv jetzt aufgelöst erscheint. In diesem Sinne ist die ganze Sinfonie ein Schulbeispiel für die konsequente, konzise Entwicklung und Durchführung elementarer musikalischer Grundeinfälle.

(Anmerkungen: Berndt Strobach)


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