Serenade am Samstag, den 12. Juli 2003 um 17 Uhr
im Innenhof des Wolfenbütteler Schlosses

Gaetano Donizetti (1797 - 1848)
Allegro C-Dur für Streicher

Ermanno Wolf-Ferrari (1876 - 1948)
Suite - Concertino op. 16, F - Dur für Fagott und Orchester
Notturno - Strimpellata - Canzone - Finale

Giacomo Puccini (1858 - 1924)
Drei Menuette für Streicher

Ottorino Respighi (1879 - 1936)
Antiche Danze ed Arie per liuto - 3. Folge
Italiana - Arie di corte - Siciliana - Passacaglia


Solist: Alfred Böhm, Fagott

Dirigent: Rainer Hertrampf

Alle Komponisten unseres Programms sind diesmal Italiener, und ihre Kompositionen entstammen dem Geist des 19. Jahrhunderts.

Gaetano Donizetti  ist dem deutschen Theaterbesucher und Radiohörer als Komponist des „Don Pasquale“ und des „Liebestranks“ geläufig; denn ausschließlich mit Opern ist der in Bergamo Geborene  schließlich berühmt geworden. Er hat bis zu fünf Opern pro Jahr geschrieben. Angefangen hat er aber mit Instrumentalwerken. So gibt es von ihm nicht weniger als achtzehn Streichquartette; und unser „Allegro“ dürfte aus einer Fragment gebliebenen Sinfonie des etwa Zwanzigjährigen stammen, ein melodiöses Stück lebendiger Heiterkeit.

Ermanno Wolf-Ferrari  wuchs als Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter in Venedig auf und studierte zunächst in den Fußstapfen seines Maler-Vaters in München bildende  Kunst. Bald wechselte er zur dortigen „Akademie der Tonkunst“ über und schrieb in den 1890er Jahren, beeinflußt von Richard Wagner, seine ersten Opern. Im Repertoire gehalten haben sich „Susannas Geheimnis“ und „Die vier Grobiane“, heitere Werke im Stil der Goldonischen  commedia dell‘ arte. In vorgerücktem Alter (1939) wurde Wolf-Ferrari noch Kompositionsprofessor am Salzburger Mozarteum. Daß die Wahl – kurz nach dem „Anschluß“ – auf ihn fiel, lag sicher daran, daß er zwar ein zeitgenössischer, aber kein „entarteter“ Komponist war. Er benutzt – so auch im heute gespielten Fagott-Konzert von 1933  -  Stilelemente aus vielen vergangenen Epochen, von Bach bis Reger  und Richard Strauss. Er verwendet dabei das Soloinstrument nicht nur, wie üblich, wegen seiner „glucksenden“ Ansprache mit komischen Effekten (so in „Strimpellata = Geklimper“), sondern läßt es ausgiebig melancholisches Melos entfalten.

Mit Giacomo Puccinis Bild beim Publikum steht es ähnlich wie bei Donizetti: Jeder kennt  die Opern  „Tosca“   und  „Butterfly“. Aber auch er hat – vor dem großen Erfolg der „Bohéme“, 1896 - gelegentlich reine Instrumentalmusik geschrieben. Die hier gespielten „Drei Menuette“ entstanden in den 1880er Jahren und wurden 1892 überarbeitet. – Sie haben mit klassischen Menuetten nur das Grundschema gemeinsam und geben eher Puccinis farbiges Bild  von der Rokoko-Epoche wieder, galante Umspielungen, nicht ohne ernsten Unterton.

Ottorino Respighi  reicht zwar mit seinem Werk ins 20. Jahrhundert, war aber ein dezidierter Gegner moderner Musik, gehört also seiner Kunstauffassung entsprechend eher ins 19. Jahrhundert. Er hat zwar auch Opern geschrieben, hatte aber mit ihnen wenig Glück. Sein Ruhm beruht eher auf  sinfonischen Dichtungen wie „Le fontane di Roma“, „I pini di Roma“ und „Gli ucelli“ (Die Vögel), deren farbig-repräsentativer Stil seinerzeit in Italien als besonders nationaltypisch geschätzt wurde. Unsere „Alten Tänze und Lieder“ (die dritte Folge ist 1932 entstanden) zitieren wortwörtlich das Tonmaterial frühbarocker anonymer Lautenstücke. Unter Aufbietung aller Kunstgriffe des entwickelten  Streichersatzes macht Respighi, der sein Geld anfangs als Orchestergeiger und –bratscher verdiente, raffinierte Klangstücke romantisch-klassizistischer Prägung daraus. Er rettet dadurch die wertvolle alte Kammermusik über die Zeiten hinweg für den Hörer im heutigen Konzertsaal.

(Anmerkungen: Berndt Strobach)


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